Erstbegehung - Captain Blue - Varasova Headwall
- 12. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Kryoneri - Patras - Griechenland
(170m 7+ A0) 05. und 07. Mai 2026
Ludwig Sandhacker, Julia Irsara
Wie kam es zu dieser neuen Tour?
Nachdem wir in Griechenland angekommen waren, hatten wir ehrlich gesagt noch keinen Plan, wo die Reise hingehen sollte. Die Ideen reichten von Leonidio über Meteora bis zu den hohen Wänden auf der Insel Anafi.
Kurzum, zogen wir ChatGPT zur Entscheidungsfindung heran; wir wurden auf das Gebiet um den Varasova-Gipfel in der Nähe von Patras aufmerksam. Anscheinend liegen hier die Wurzeln des Klettersports in Griechenland.
Trotz der langen Geschichte und oftmals nur wenigen Metern Zustieg sind die Touren überhaupt nicht abgespeckt oder überlaufen. Man kann besten rauen Fels, tolle Wasserillen und steile Risse nur wenige Meter über dem Meer genießen.
Schon am zweiten Tag und nach nur einer gekletterten Tour kam uns die Idee, hier an diesem Berg eine Erstbegehung zu machen. Der Fels ist gut und es schien noch reichlich ungekletterte Linien zu geben.
Auf der Suche nach einer Linie haben wir uns dafür sogar ein Schlauchboot gekauft, um die Wände direkt über dem Wasser anzuschauen.
Bald wurde klar das eine Erstbegehung direkt in der Headwall dieser 650m hohen Wand eine vielversprechende Option wäre. Bis jetzt gibt es dort nur 4 Touren. (Siehe Foto unten)
Captain Blue
Enchanted (bis UIAA 6, Clean)
Rubicon (bis UIAA 7, Clean)
Shining Path (bis UIAA 8, einige Bolts)
Routen im rechten Bereich der Headwall wie (Alogiari oder der obere Teil der Argonaut)

Einziger Nachteil ist der lange Zustieg durch den unteren, gestuften Teil der Wand, welcher Kletterei bis zum 3. Grad beinhaltet. Trotzdem haben wir uns für diese Linie entschieden, das Ganze bekommt so einen noch alpineren und abenteuerlichen Charakter.
Gesagt, getan, am nächsten Tag suchten wir auf den ausgetretenen Ziegensteigen den leichtesten Weg in den oberen Wandbereich. 450 Höhenmeter in leichtem Kletter- und Schrofengelände sowie ca. 120 Meter Kletterei bis 3; später befanden wir uns unter der Headwall.
Mit Fernglass und schweren Rucksäcken standen wir nun also unter der Wand. Nicht viel Diskussion war nötig – die einfachste und logischste Linie zum großen Finale, der dunkelblauen felsigen Verschneidung, soll es sein. Der erste Stand ist logisch, genauso wie alle anderen sich einfach so ergeben. Als wäre die Linie zum Klettern gemacht, sind alle Stände angenehme Absätze, an denen man sich breit machen kann.
Vielen guten Griffen, Tritten und Stufen folgend, finden wir die Linie bis unter die hellblauen Felsen. Diese letzte Länge durch den letzten steilen Teil der Wand gestaltete sich jedoch härter als erwartet. Nach drei Stunden Klettern, Bohren und Festhalten bis zur totalen Erschöpfung standen wir voller Erleichterung am letzten Stand.
Während dieser drei Stunden wurde uns auch klar, wie die Route heißen wird. Der blaue Fels, die blauen Sanduhrschlingen, die Aussicht auf das Meer sowie die beiden Bars in Kryoneri, "Captain del Mar "und "BLue Blue" ergeben den Namen: Captain Blue.
Die Absicherung ist klassisch, aber nie riskant. Kletterer sollten gefordert sein, aber sich nicht fürchten. An schwierigen Stellen sind Bohrhaken, an anderen lässt sich gut ein Friend legen und sonst sind einige Schlaghaken, abgebundene Sanduhren und sogar Fixkeile zu finden. Die Stände sind auch alle mit zumindest einem Bohrhaken ausgestattet.
Ein wahrhaftes alpines Abenteuer und das in Griechenland - wir hoffen viele weitere Kletterer erfreuen sich am guten Fels in dieser Tour.

Material:
· Ein Satz Friends bis Größe 3 (am besten Totems)
· Ein Set Keile
· 10 Expressen
· 60m Halbseile
Zustieg:
Von Kryoneri in 45min zum Einstieg der Touren Sendro Luminoso und Photino Monopati, im unteren Teil der Wand. Von hier Querung nach rechts und entlang eines Grates (100m UIAA3) in den oberen Wandbereich.
Dann weitere 40min am besten im ausgewaschenen Teil des oberen Kessels über Platten zum Beginn der Headwall. Der Einstieg befindet sich bei einer markanten Baumgruppe ca. 30m links des Tiefsten Punkts der Wand.
Gesamt: 2-2,5 Stunden

Abstieg:
Abseilen über die Route. Und entlang des Aufstiegsweges zurück. Die Kletterei im Zustieg kann im Abstiegssinne rechts mit zweimal abseilen (35m und 55m) umgangen werden. Der erste Abseilstand ist an zwei Klebehaken am Ende des Grates der zweite an einer Sanduhr.
Alle Infos und Topo zum Download:
Bilder:


























